Spaziergang durch meine Esperanto-Bibliothek: die Zeitschriften

    Promene tra mia Esperanto-biblioteko: la periodajhoj

    Bernhard Pabst 2002

    Das erste Lehrbuch der Plansprache "Esperanto" wurde 1887 von Ludwig Lazarus Zamenhof in Warschau veröffentlicht. Trotz mancherlei Änderungen und Akzentverschiebungen in der Zielrichtung blieben Zamenhofs Beweggründe für Esperanto in den seither vergangenen 115 Jahren bis heute aktuell: Eine vergleichsweise leicht zu erlernende, gleichwohl präzise Sprache zu schaffen, die erstmals in der Geschichte das Prinzip durchbricht, dass kleine Kulturnationen sich im internationalen Verkehr "selbstverständlich" der Sprachen der großen, politisch, wirtschaftlich und militärisch dominierenden Kulturen zu bedienen hätten. Man mag es als naive Utopie ansehen - der idealistische Wunsch, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft sich gleichberechtigt und tolerant in einer "neutralen" Sprache begegnen, hat dazu geführt, das Esperanto längst von einem Sprachprojekt zu einer Sprache mit eigener Charakteristik und Geschichte geworden ist. Katholiken und Kommunisten, Dichter und Wissenschaftler, Anarchisten und autoritäre Regime, Familien und Millionen von einfachen Menschen haben sich des Esperanto bedient und tuen es bis heute.

    Zehntausende von Esperanto-Büchern und Tausende von Periodika sind neben Filmen und Tondokumenten der sichtbare Niederschlag. Eine kleine Auwahl von Zeitschriften soll exemplarisch hier vorgestellt werden. Die meisten sind extrem selten. Das hat verschiedene Gründe. Viele Periodika sind ephemerische Schriften, oft als private Initiative in Kleinstauflagen enstanden, nicht selten hand- oder maschinengeschrieben, illegal oder unter widrigen wirtschaftlichen Bedingungen veröffentlicht. Nur wenige Einrichtungen wie öffentliche Bibliotheken oder Forschungsinstitute sammeln systematisch Esperanto-Schriftgut, da kaum ein Staat sich "zuständig" fühlt. Neben dem "natürlichen" Schwund haben Kriege, aber auch politisch motivierte gezielte Vernichtungen den ohnehin geringen Bestand vermindert. Schließlich ist "Seltenheit" auch ein zentrales Kriterium bei der hier präsentierten Auswahl. Ich habe bewusst abgelegene Periodika den bekannteren großen Esperanto-Zeitschriften vorgezogen.

    Auf eine vertiefende Systematisierung und Einordnung der Periodika in die "große" und die Esperanto-Geschichte sei hier einstweilen verzichtet. Interessenten kann ich gerne die gängigen bibliographischen Referenz-Werke nennen. Einen guten Einstieg in die Esperantologie bietet insbesondere die Internetpräsentation der Gesellschaft für Interlinguistik (GIL). Hunderte von Esperanto-bezogenen Seiten wirft daneben jede der gängigen Suchmaschinen aus.


    Und nun viel Spaß beim Stöbern in meiner Esperanto-Bibliothek

    Bernhard Pabst