Dr. Johann Ignaz Michael Tobias Böttinger
geboren : 05.03.1675
gestorben : 04.06.1730
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Dr. jur. Hochfürstlich bambergischer wirklicher Geheimer Rat, Direktorialgesandter der fränkischen Kreise und Erbauer des Gesellschaftshauses Concordia sowie des Böttingerhauses in Bamberg[1]. Böttinger kam als erstgeborenes Kind in dem respektablen Anwesen Obere Sandstraße 9, dem sog. „Haus zum Biber“ in Bamberg zur Welt. Dieses Haus hatte sein Vater 1673 erworben. Über die Kinderjahre weiss man wenig, da ein bäuerlicher Nachkomme der Familie in Unkenntnis des familiengeschichtlichen Wertes viele Urkunden vernichtete. Seine Erziehung unterschied sich wahrscheinlich nur unwesentlich von dem eines Adeligen. Standesgemäßes Verhalten, Anpassung an den adeligen Sitten- und Ehrencodex, korrektes Verhalten in der Gesellschaft, eine tiefe Religiosität und praktische Kenntnisse in Musik, Latein, Französisch und vielleicht auch in Mathematik und Geschichte wurden ihm beigebracht. 1688, im Alter von erst 13 Jahren, ist er Studierender der Rhetorik in der von Jesuiten geleiteten Bamberger Akademie. Ab 8. Juni 1693 studiert er an der Würzburger Universität. Am 25. November schreibt er sich in Prag ein, dabei gibt er den wissenschaftlichen Rang „philosphiae magister“ an, was bedeutet, dass er mit 19 Jahren auf dem Weg zum Doktorat war. 1697 ist er auf Reisen in Österreich und Italien. 1698 kehrt er über Frankreich nach Bamberg zurück (Abschluss des Schul- und Universitätsstudiums). In einer Bittschrift seiner Mutter an Lothar Franz von Schönborn vom 02.12.1698 wird um eine Empfehlung für ihren Sohn wegen „Zulassung zur Praxis beim Reichskammergericht zu Wetzlar, um sich in Hochstiftssachen informiert zu machen“, nachgesucht. In Wetzlar hält er sich nur ein Jahr als Rechtsreferendar auf. Entweder weil er besonders talentiert war, oder weil er auf Grund von guten Beziehungen bereits 1699 in Bamberg in hochfürstliche Dienste trat. Am 6.6.1701 heiratet Böttinger die einzige Tochter Maria Franziska Appolonia Theresia des sehr reichen fürstbischöflich-würzburgischen Hofrat Heilig in St. Peter zu Würzburg, die eine ansehnliche Mitgift in die Ehe brachte [O. Böttinger S. 9 f]. Das Paar hatte zehn Kinder. Am 24. Oktober 1702 wurde er als Hofrat dem alternden Kreisdirektorialgesandten Geheimen Rat von Scharpf mit der ausgesprochenen Anwartschaft auf dessen Nachfolge zur Unter-stützung beigegeben. 1703 taucht er als „Bambergisch-fränkischer Crays-Gesandter in den Ansbacher Kreistagsprotokollen auf. Dort ist er in der Lage, Verbindungen zu knüpfen und somit sein berufliches Fortkommen zu sichern. So fährt er z.B. am 25. August 1705 zur Verpflichtung der Kaisertruppen nach München und nimmt Verbindung mit Kaiserlichen Herren auf. 1710 werden ihm 2000 fl (= Gulden) vom Fränkischen Kreistag anvertraut, womit ein Jude Namens Säckel bezahlt wird. 1714 bewirbt er sich um die Stelle eines Geheimrates (der Geheimrat erledigte die Staatsangelegenheiten der hohen Politik, während der Hofrat die gemeinen Land- und Justizsachen verhandelte). Erst am 14. Januar 1719 wird er zum Geheimrat ernannt. Schon zwei Jahre später, am 23. September 1721, wagt er, um eine Lohnaufbesserung nachzusuchen, die ihm auch bewilligt wird. Neben seiner Tätigkeit bei den Versammlungen des Fränkischen Kreises und als Hof- bzw. Geheimrat war er, spätestens seit 1719, auch Präsident der Obereinnahme. Die „Obereinnahme“ war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die oberste Steuerbehörde, die in Bamberg unter Zuziehung von Offizieren auch den Hofkriegsrat bildete. Diese Stelle setzte voraus, daß der Inhaber gegenüber dem Landesherren eine Obligationsurkunde unterschrieb, in der er sich und seine Frau mit ihrem gesamten Privatvermögen haftbar erklärte. Der Anspruch konnte auch auf Witwen und Waisen übertragen werden. Auf diese Weise sollten Veruntreuungen vermieden werden. Des weiteren werden ihm folgende Ämter zugeschrieben , die aber quellenmäßig nicht exakt belegt sind: „Licentiat der Rechte“ (juristische Funktion am Reichskammergericht in Wetzlar und am kaiserlichen Landgericht). „Kasernendirektor“ (Montourlieferung für die Truppen). „Geistlicher Rat“ (kontrollierte unter Ausschaltung der Bischöfe die gesamte Kirchenverwaltung). Falls er diesen Titel trug, dann wohl als funktionsloser Ehrentitel, der in keiner Quelle auftaucht. Auf Grund der Loyalität zu seinem Fürsten konnte er am Ende seines Lebens zusammengefaßt folgende Titel auf sich vereinigen, die nach seinem Tode in seinem „Memento mori“ zur Aufzählung kommen: Licentiat der Rechte, Hofrat, Hochfürstlich Bambergischer Geheimer Rat, Direktorialgesandter zum Fränkischen Kreis, Geistlicher Rat, Obereinnahme-vicepräsident, Landgerichtsschreiber (= Direktor des Kaiserlichen Landgerichts) und Kasernendirektor. Er verstarb am 04.06.1730 im Alter von nur 55 Jahren. Am 3.[sic] Juni 1730 wird aus Nürnberg berichtet, daß er „am Sonntag abend gegen acht uhr an seiner obgehabten schwer und schmerzhaften Krankheit allhier endlich verstorben“ und zwar in seinem Quartier „Zu den drei Königen“. Der ansbachische Gesandte Georg Christian von Seefried schreibt am 8. Juni 1730 an den Markgrafen von Ansbach: „Vergangenen Dienstag Nachts gegen 10 uhr ist des hochfürstl. Bamberg. Geheimen Rath und abgesandten Böttingers Leiche aus dem Wirthshaus zu denen drei Königen auf einem allhiesigen mit 6 Pferden bespannten Trauerwagen unter begleitung einiger nürnberger Cuiraßiere, so neben dem Wagen mit Fackeln hergegangen, biß gegen den Johannisfriedhof ..., Alldort auff den daselbst gestandenen bamberg. Rüstwagen gesetzet und nach Bamberg weiters fortgebracht worden.“ In Bamberg wird er in der Familiengruft mit den Nummern 27 und 28 in der Oberen Pfarre beigesetzt. Die Gruft hatte sein Vater als Erbbegräbnis anlegen lassen. Sie befand sich im Boden der Kirche mit einer aufgesetzten Grabplatte. Diese Gräber waren sehr begehrt und nur angesehenen Familien zugänglich. Die Böttingergräber sind wahrscheinlich aufgelassen worden und nicht mehr auffindbar. Zu seinen Besitzverhältnissen heißt es: Er hatte in seinem Leben nicht nur außerordentliche berufliche Erfolge und Verdienste aufzuweisen, er verstand es auch, seinen Vermögensverhältnissen eine solide und gesunde Basis zu verschaffen. So hatte er neben den zwei prächtigen Häusern in der Stadt Bamberg (Böttinger-Haus und Concordia) ein Gartengrundstück am Milchweg, nahe der Sternwarte. Der Erb- und Grundteilungsrezess seiner Frau gibt Auskunft über weitere Besitzungen und Reichtümer. Silber, bares Geld, Wein, Weißzeug, Zinn, Kupfer und andere Mobilarverlassen-schaften. Außerdem je ein Gut in Kollmannsdorf, Debring und Stegaurach und Kapitalien, die in Nürnberg angelegt waren. Darüber hinaus besaß er Weinberge bei Würzburg und ein Gut zu Tiefenstockheim. Kurz vor seinem Tod kaufte er einen Weinberg nahe der Altenburg [über Bamberg] und bebaute ihn mit einem Gutshof, dem sogenannten „Rothof“. Wahrscheinlich gab es auch noch ein Gemeinschaftsgut Böttinger/von Lorber in Unterneuses bei Burgebrach. Schließlich besaß Böttinger eine umfangreiche Bibliothek von etlichen tausend Bänden, besonders juristische Bücher, aber nur ein einziges architekturtheoretisches Werk, die in den Besitz seines Sohnes Johann Alberich Ignaz Böttinger (1722-1772) [Kekulénummer 316] überging und die später leider verkauft und damit verstreut wurde. Das Bibliotheksverzeichnis erschien zwei Jahre vor dessen Tod 1770 und 40 Jahre nach Böttingers Tod: Catalogus bibliothecae Boettingerianae, seu locupletissimus librorum ... thesaurus, quos magnis sumptibus collegerat Albericus Ignatius Boettinger: qui apud viduam venales. Bambergae: Gertner 1770, 890 S. [KVK weist Exemplare in den Universitätsbibliotheken von Bamberg, München, Augsburg und Göttingen nach]. [1] Der folgende Kurzlebenslauf basiert soweit nicht anders erwähnt im wesentlichen auf Freise-Wonka 1986. |